Führung, Soft Skills & Persönlichkeit
35 Konfliktlösungsstrategien – Wie aussteigen, wenn ein Konflikt eskaliert
Gute Konfliktlösungsstrategien hat man immer gerne parat, denn eine Konfliktlösung scheint manchmal leider unerreichbar. Oft eskalieren Konflikte und destruktive Kommunikationsmuster hinterlassen verbrannte Erde. Wir zeigen dir, wie du aus einer Drama-Dynamik herauskommst und noch besser: wie du am besten gar nicht erst einsteigst. Als Grundlage dafür haben wir in unserem letzten Beitrag beschrieben, wie es zur Eskalation kommt: Die Dynamik des Drama-Dreiecks.
 
 

Konfliktlösungsstrategien:

Wie du aus destruktiver Kommunikation aussteigst.
 

Das Gewinner-Dreieck:

Wie kommt man aus dem Drama-Dreieck heraus und wie führt man eine Konfliktlösung herbei? Welche  Konfliktlösungsstrategien sind in welcher Situation passend?
Hier kommt zunächst die Theorie:
Aceh Choy entwickelte 1990 das Winner-Triangle zu deutsch Gewinner-Dreieck als Lösungsmodell für das Drama-Dreieck. Um ein Gewinner-Dreieck statt eines Drama-Dreiecks zu aktivieren ist es nötig, die Verantwortung anzunehmen, die man in der jeweiligen Situation wirklich hat, aber auch die Verantwortung der anderen bei dir zu lassen und sich nicht involvieren zu lassen.
– Im Winner-Triangle ist das Opfer verletzlich, aber nicht hilflos. Im Gegenteil: Es sucht aktiv und eigenverantwortlich nach Lösungen und Optionen.
– Der Retter zeigt sich zwar fürsorglich, indem er dem Opfer zuhört, jedoch nicht parteiisch. Und er übernimmt auch nicht Verantwortung für Themen, die ein anderer angehen muss.
– Und der Verfolger äußert seine Bedürfnisse klar und fair ohne Schuldzuweisung und Bestrafung.
Soweit die Theorie – aber wie setzt du das praktisch um? Hier kommen Tips, wie du in kritischen Momenten handeln kannst:
 

Der erste Tipp: Komm auf uns zu!>>>

 >> Lesen Sie hier:
Wie Sie Konflikte schnell lösen – die 8 Schritte der Konfliktspirale

Vom Retter zum Coach.

Das positive Gegenstück zum Retter ist der Coach. Der Coach geht davon aus, dass jeder im Stande ist, sein Leben zu meistern. Er versucht nicht jemanden zu reparieren, vielmehr unterstützt er sein Gegenüber dabei, genau das Leben zu kreieren, dass er oder sie wirklich will.
Konfliktlösungsstrategien:
  1. Ermuntere deinen Gegenüber in seine Verantwortung zu gehen und Lösungen zu finden.
  2. Löse das Problem nicht, lass es die Person selbst lösen.
  3. Frage: Wie willst Du damit umgehen? Was möchtest Du erreichen? Wie kann Dir das gelingen?
  4. Begrenze klar die Zeit und Energie, die du aufwenden möchtest.
 

Von der Opferhaltung zur Eigenverantwortung.

Aus dem hilflosen Opfer wird jemand, der selbst Verantwortung übernimmt und die Dinge anpackt.
Konfliktlösungsstrategien:
  1. Frage dich getreu nach dem Motto „Love it, Change it or leave it“: Was brauche ich und was kann ich dafür tun? Was sollte ich aber auch loslassen, weil ich es nicht ändern kann?
  2. Übernehme Verantwortung für die eigenen Gefühle: Niemand kann machen, dass du dich schlecht fühlst, wenn du es nicht zulässt.
  3. Wechsel die Perspektive: Was ist gut an dem, was gerade passiert?
  4. Mach dich stark: Was kann ich, habe ich erreicht? Wofür bin ich dankbar?
  5. Jammer nicht!

10 hilfreiche Tipps für dich als Führungskraft im Umgang mit Konflikten im Team findest du in unserem Whitepaper „Konfliktmanagement für Führungskräfte“

Hier gehts zum Download:

 

Vom Verfolger zum konstruktiven Problemlöser.

Der konstruktive Problemlöser analysiert eine Situation und versucht Ursachen zu verstehen. Er teilt seine Wünsche sachlich und fair mit. Er vermeidet Schuldzuweisungen, stattdessen gleicht er Landkarten ab, um gemeinsam Lösungen zu finden.
Konfliktlösungsstrategien:
  1. Beschreibe die unbefriedigende Situation. Nenne dabei Beispiele und Fakten.
  2. Setze Grenzen und zeige Konsequenzen auf.
  3. Vermeide Interpretationen und Verallgemeinerungen. Frage nach statt zu vermuten.
  4. Verzichten auf Schuldzuweisung oder Kritik.
  5. Räume immer auch den eigenen Anteil an einem Problem ein.
  6. Unterstütze und ermutige, gemeinsam Lösungen zu finden.
 
 >> Lies hier:
Was Menschen wirklich wichtig ist – Die 8 grundlegenden Werte nach dem Graves Wertemodell
 

Lass dich nicht involvieren!

Erinnerst du dich an unser erstes Beispiel? Mitarbeiter X hat dir nicht die benötigten Daten gegeben. Du stellst ihn wütend zur Rede (Verfolger), er rechtfertigt sich (Opfer), woraufhin seine Büronachbarin (Retterin) ihm schützend zur Seite springt.
Wie wäre es denn damit? Du bemerkst, dass die Daten von X nicht geliefert werden wie geplant. Du suchst nach Optionen: Vielleicht kriegst du die Daten woanders und wirst so nicht zum Opfer. Oder du kannst X freundlich und klar um die Daten bitten bevor es zu spät ist und wirst so nicht zum Verfolger. Vielleicht ist X gar nicht so unfähig, wie du geglaubt hast – vielleicht hat X die Daten gar nicht, ist überarbeitet oder hat keine Ahnung, dass die Informationen dringend von dir benötigt werden. Und womöglich kann die Büronachbarin dich und X in dieser Situation konstruktiv und praktisch bei der Beschaffung der Daten unterstützen, indem sie sich erkundigt, wie sie helfen kann.
Mit dieser Strategie kommst du vom Drama in die Eigenverantwortung. Du kannst auf der Sachebene bleiben und das eigentliche Problem lösen. Statt durch das Drama-Dreieck in destruktive, energieraubende Muster zu verfallen, kannst du und deine Kollegen konstruktiver und mit mehr Leichtigkeit agieren – und schaffen am Ende gemeinsam mehr.
 
 
 
 

Wie du aus dem Drama-Dreieck aussteigst bzw. gar nicht erst einsteigst.

 
Du merkst, dass ein Drama aktiv ist, wenn deine Gedanken anfangen um eine Situation zu kreisen und dich nicht mehr loslassen. Sie spürst, wie dir die Dynamik die Energie raubt. Wut oder Hilflosigkeit macht sich breit, oder du kriegst deine eigenen Themen nicht auf die Reihe.
 
16.  Erste-Hilfe-Tip, wenn ein Drama-Dreieck aktiv wird:
Verlasse die Situation. Geh und sorge dafür, dass du dich wieder gut fühlst. Tu etwas, das dir gute Laune bereitet oder denke an etwas, dass du magst. Versuche dem Gefühl, dass die Situation ausgelöst hat keinen Raum zu geben und dich auf etwas anderes zu konzentrieren, denn sich aufregen, sich in das Gefühl hineinsteigern oder aufgeregt darüber reden lässt dich im Drama-Dreieck verharren.
 
 >> Lies hier:
Was „Life Balance“ so schwer macht – und wie Sie sie erreichen
Es gibt noch einiges mehr, das du tun kannst, um auf eine Konfliktlösung zuzusteuern.
Du kannst aus dem “Drama-Dreieck”, das ja manchmal ein Drama-Karussell ist, aussteigen
 
  1. Indem du erkennst, zu welchen Rollen du neigst.
  2. Wenn du in einer bestimmten Situation auf deine Gefühle achtest. Fühlst du dich minderwertig und schwach (Opfer), aggressiv oder ungeduldig und überlegen (Verfolger) oder fühlst du dich kompetent, hilfsbereit und moralisch überlegen (Retter)?
  3. Indem du aus deiner Rolle aussteigst.
  4. Indem du innehältst und dir möglichst früh folgende Fragen stellst:
 
 
 

Konfliktlösungsstrategien, wenn ein Opfer jammert, dir also eine Einladung sendet, in den Retter zu gehen, dann stelle dir folgende Fragen:

 
Anti-Retter Fragen
  1. Hat mich der andere um Hilfe gefragt?
  2. Eignet sich die Situation für Unterstützung (habe ich Zeit / Mittel darauf einzugehen)?
  3. Habe ich Lust darauf, zu unterstützen oder werde ich dafür bezahlt?
  4. Glaube ich, dass ich etwas besser weiß oder besser handeln kann als ein anderer? Fühle ich mich überlegen? Bin ich bereit, das Gegenüber für erwachsen zu halten?
 
 
 

Konfliktlösungsstrategien, wenn jemand als Verfolger auf dich zukommt, dir also eine Einladung sendet, die Opferrolle einzunehmen:

 
Anti-Opfer-Fragen
  1. Fühle ich mich gleichwertig? Oder fühle ich mich hilf- oder machtlos?
  2. Fühle ich mich selbst verantwortlich für meine Gefühle?
  3. Weiß ich, was ich will oder brauche? Bin ich dafür bereit, etwas zu tun?
  4. Will ich, dass sich Veränderungen ergeben?
  5. Bin ich bereit, entsprechend der angebotenen Hilfe zu handeln?
 
 

Konfliktlösungsstrategien, wenn jemand dich ärgert, etwas falsch macht, sich blöd verhält, du also eine Einladung erhältst, in den Verfolger zu gehen: 

 
Anti-Verfolger-Fragen
  1. Bin ich bezogen auf die Sache oder negativ bezogen auf die Person und ihr Verhalten?
  2. Fühle ich mich mehr okay als der / die andere/n?
  3. Suche ich nach Schuld oder nach Lösungen?
  4. Was ist möglicherweise mein eigener Anteil an der Situation?
  5. Habe ich alle Aspekte der Situation berücksichtigt?
  6. Bin ich selbst bereit, Verantwortung für die Konfliktlösung zu übernehmen?
 
Willst du erfahren, welche Muster und Dynamiken dazu führen, dass ein Konflikt überhaupt eskaliert?

Wie ein Konflikt eskaliert: Die Dynamik des Drama-Dreiecks.

 
 
Viel Erfolg!
 

Die beste Strategie ist immer noch uns anzusprechen!

Die Autorinnen

berliner team - Kassandra Knebel
Kassandra Knebel
Susanne Grätsch 1 550x550px
Susanne Grätsch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert